Veit`S - Veit Schenderlein der Künstler

 

Veit`S - Veit Schenderlein...

Wer in die Tiefen des Alltags abtaucht, braucht einen langen Atem, um diesen dann richtig lange anzuhalten. Veit Schenderlein, Jahrgang 1969, arbeits- und wohnhaft in Mülsen bei Zwickau ist ein kühner Meister des Alltags inklusive künstlerischem Alleinstellungsmerkmal.
Mit einem großen Herzen und unerschöpflichem, durchaus abgründigen Humor kreiert er in seinen fabelhaft skurrilen Bildszenerien – eine Mixtur aus Zeichnung und Malerei in Acrylfarben - einen Kosmos des höchstwahrscheinlich Unwahrscheinlichen.
Allerdings derart aus dem Leben gegriffen, daß jeder humorbegabte Betrachter erkennt, wie subtil er in seiner eigenen "normierten" Wirklichkeit ertappt wurde. Dies jedoch auf so charmante und pointiert-aufklärerische Art, daß einem das unvermeidbare Lachen eben nicht im Halse stecken bleibt. Schenderlein, der sich selbst als "zeichnenden Humoristen" sieht, sucht für seine liebenswürdigen Szenen zielgenau liebenswerte Klischees.
Der Schalk in ihm treibt dabei ein ziemlich hinterlistiges, gleichzeitig hemmungslos entlarvendes Spiel mit den Figuren seiner Bilder und deshalb auch mit dem Betrachter. Der humorgeneigte "Empfänger" der kurios-grotesken Situationskomik wird ermuntert und ermutigt, einerseits hintersinnig, aber vernehmlich zu lachen, andererseits nachzudenken, wo denn im (eigenen) Alltag Fallstricke und (un)vermeidbare Missgeschicke lauern könnten. Nur scheinbar leben wir ein harmloses Dasein, denn plötzlich starren wir perplex in einige kleine, unvorhergesehene Untiefen. Witzige freilich, die nicht verletzen. Die wirklich bedrohlichen Weltenabgründe bleiben in Schenderleins humoristischen, eigentlich unpolitischen Weltentwürfen unangetastet.

"Wenn die Leute sich kranklachen, ist das mein schönster Lohn". Wenn wir von runden Knubbelnasen und Riesen-Glubschaugen irritiert oder hilflos, aber auch neckisch, ja hämisch angestarrt werden, bleibt uns nur, diesen irritierenden Blickkontakt amüsiert zu erwidern und zugleich über unser unvermeidbares Alltagschicksal zu lachen.
 
 (Text: Klaus Fischer 2017)